Agenda 2030 und die religionen

die 17 ziele

Im September 2015 vereinbarten 193 Staaten der Vereinten Nationen eine Reihe von 17 ehrgeizigen Zielen, enthalten in der Agenda 2030. Diese sollen bis 2030, also in den nächsten 15 Jahren erreicht werden. Ein Aufatmen ging damals um die Welt. Hoffnung entstand und

Zuversicht, dass die drängenden sozialen und wirtschaftlichen Grundprobleme der Menschheit nun in einer globalen Zusammenarbeit in Angriff genommen werden. Keine Armut mehr auf der Welt, kein Hunger mehr, Bildung für alle, Wasser für alle, kurz: Sicherheit, Arbeit und nachhaltiges Wirtschaftswachstum für alle mit Bewahrung der Schöpfung.

Die 17 Ziele in verkürzter Form: 

 

1. Armut in allen ihren Formen und überall beenden.

2. Den Hunger beenden, Ernährungssicherheit erreichen.

3. Ein gesundes Leben für alle Menschen jeden Alters gewährleisten.

4. Gleichberechtigte und hochwertige Bildung gewährleisten.

 

5. Geschlechtergleichstellung erreichen, Frauen zur Selbstbestimmung befähigen.

6. Verfügbarkeit von Wasser und Sanitärversorgung gewährleisten.

7. Zugang zu bezahlbarer und nachhaltiger Energie für alle sichern.

8. Nachhaltiges Wirtschaftswachstum, produktive Vollbeschäftigung, Arbeit für

alle.

9. Nachhaltige Industrialisierung fördern, Innovationen unterstützen.

10. Ungleichheit von uns zwischen Staaten verringern.

11. Städte und Siedlungen sicher und widerstandsfähig machen.

12. Für nachhaltige Konsum-und Produktionsmuster sorgen.

13. Umgehende Massnahmen ergreifen zur Bekämpfung des Klimawandels.

14. Ozeane und Meeresresourcen erhalten und nachhaltig nutzen.

15. Landökosysteme schützen, wiederherstellen, Nutzung fördern.

16. Friedliche und inklusive Gesellschaften für eine nachhaltige Entwicklung

fördern.

17. Globale Partnerschaft für nachhaltige Entwicklung mit neuem Leben erfüllen.

 

Die Hauptfrage, die es nun zu lösen gilt, lautet, wie in der heutigen Welt mit ihren tiefsitzenden Konfliktstrukturen, ihren zahlreichen nationalen Interessen, diese Vision in die Tat umgesetzt werden kann. Mit oder ohne die Religionen? Statistiken zeigen, dass mehr als 80% der Weltbevölkerung sich zu einer Religion bekennen. Innerhalb ihres Glaubens versuchen die Menschen, die Lehren ihrer Religion in ihr tägliches Leben ein zu beziehen. Mohammed z.B. erklärt den Gläubigen: „Siehe, Allah fügt den Menschen kein Unrecht zu, vielmehr fügen die Menschen sich selbst Unrecht zu“ und ruft sie so auf, selbst Verantwortung zu übernehmen.

Buddha ermahnt: „Alle Wesen zittern vor der Gewalt. Alle Wesen lieben das Leben. Sieh dich selbst in anderen, und töte nicht, verletze nicht!“. Und Baha’u’llah, der Stifter der Baha’i-Religion spricht von der Einheit. „Schliesst eure Augen vor Entfremdung; sodann richtet euren Blick auf die Einheit. Haltet euch beharrlich an das, was der ganzen Menschheit Wohlfahrt und Ruhe bringt.“

 

Der ehemalige Direktor des DEZA, Walter Fust meint: „Religion und Spiritualität sind Quellen von Welt- und Lebensbildern; sie stellen politische und gesellschaftliche Gestaltungskräfte dar; sie sind Kräfte von Kohäsion und Polarisierung; sie generieren gesellschafts- und      entwicklungs- politische Impulse; sie dienen als Instrumente politischer Referenz und Legitimation. Die Entwicklungszusammenarbeit kann es sich nicht leisten, Religion und Spiritualität auszublenden.“ (Siehe dazu das Reflexions- und Arbeitspapier von Anne-Marie Holstein zur „Rolle und Bedeutung von Religion und Spiritualität in der Entwicklungszusammenarbeit.“

(www.eda.admin.ch)

 

Im Februar 2016 fand in Berlin eine internationale Konferenz statt zum Thema „Partner für den Wandel“ - Religionen und die Agenda 2030. „Ohne den Beitrag der Religionen“, so der deutsche

Minister Gerd Müller, „werden wir die globalen Herausforderungen nicht bewältigen können. Gerade heute, wo Religion als Rechtfertigung für Terror und Gewalt missbraucht wird, müssen wir die Zusammenarbeit mit allen Religionsgemeinschaften verbessern. Wir dürfen das Feld nicht den Extremisten überlassen, sondern müssen die stark machen, die sich für Frieden und

Entwicklung einsetzen.“ An dieser Konferenz erhielten folgende Religionen und eine indigene Tradition eine Stimme: Bahá'í-Religion, Buddhismus, Christentum, Konfuzianismus, Taoismus,

Hinduismus, Islam, Judentum und die Lenape-Tradition der amerikanischen Ureinwohner. Sie alle waren eingeladen, aus ihren Schriften und ihrer Tradition zu den fünf P's der Agenda 2030 beizutragen: Planet, People, Prosperity, Peace and Partnership - (Planet, Menschen, Prosperität, Frieden und Partnerschaft..)

Siehe: “Religionen als Partner in der Entwicklungszusammenarbeit”

 

Seit Anbeginn der aufgezeichneten Geschichte ist Religion ein Merkmal der menschlichen Zivilisation gewesen und hat getreu dem Geist seiner transzendenten Gründer unzählige Menschen befähigt, sich für das Wohlergehen ihrer Nächsten einzusetzen. Zunächst ging es um das Wohl der Familie. Im Laufe der Jahrtausende schlossen sich die Menschen dann zu Stämmen und zu immer grösseren Einheiten zusammen. Heute steht die Menschheit vor dem nächsten Schritt ihrer Entwicklung: Der Herausforderung den Fetisch der Nation zu überwinden,

Vorurteile der Rasse, der Klasse oder der Religion zu überwinden und die Welt als das anzunehmen, was sie ist: Eine Welt. Ohne diesen dringend notwendigen Schritt werden weltweit die radikalen Kräfte weiter zunehmen, das Leiden für unzählige Menschen dieser Welt wird weitergehen, und, was wir uns alle nicht wünschen: Die ehrgeizigen Ziele der Agenda 2030 werden ein Wunschtraum bleiben.